Wenn man ein Baby erwartet kommt viel Neues auf einen zu. Und während man sich auf den neuen Erdenbürger vorbeireitet, die Schwangerschaft genießt und die ersten Dinge fürs Baby kauft, kommt auch die Zeit in der man über das Geld nachdenken sollte. Um dies etwas zu erleichtern haben wir hier eine Übersicht für euch zusammengestellt, die zeigen soll, was man wo beantragen kann und welche Voraussetzungen man dafür erfüllen muss.

 

Übersicht:

 

Hebamme

Mehrbedarf und Erstausstattung

Mutterschaftsgeld

Kindergeld

Kinderzuschlag

Elterngeld

Elterngeld Plus

Landeserziehungsgeld

Betreuungsgeld

Kinderbetreuungskosten

Schulgeld

 

 

Gelder im Detail:

 

Hebamme

Die Kosten für die Hebamme übernimmt die Krankenkasse. Jede Schwangere hat Anspruch auf eine Hebamme und muss nichts dafür zahlen. Sie muss auch keinen Antrag stellen. Sie muss bei der Hebamme nur die Versicherungskarte der Krankenkasse vorzeigen. Jede Schwangere hat das Recht auf einen Geburtsvorbereitungskurs und eine Wochenbettbetreuung. Eine Schwangere kann sich auch bereits zu Beginn der Schwangerschaft eine Hebamme suchen und regelmäßige Termine mit ihr vereinbaren. Sie kann von der Hebamme untersucht werden und sich mit ihr austauschen. Einen Arztbesuch ersetzt dies allerdings nicht.

 

Mehrbedarf und Erstausstattung

Schwangere, welche Arbeitslosengeld 2 beziehen, erhalten nach der 12. Schwangerschaftswoche einen Mehrbedarf und können Geld für die Erstausstattung fürs Baby beantragen. Der Antrag muss bei der Agentur für Arbeit gestellt werden und erst NACH der Bewilligung darf man die Erstausstattung kaufen. Man muss die entsprechenden Quittungen der Artikel aufheben und gegebenenfalls vorzeigen.
Reicht das Geld nicht aus, so kann man sich an verschiedene Stiftungen wenden. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Bundesstiftung für Mutter und Kind beispielsweise ebenfalls die Kosten der Erstausstattung bis zu 1200€. Man sollte sich an die Caritas wenden, diese gibt entsprechende Auskünfte, welche Bedingungen erfüllt werden müssen.

 

Mutterschaftsgeld

Ab sechs Wochen vor Geburtstermin und bis acht Wochen nach der Geburt ist die Mutter im Mutterschutz. In dieser Zeit darf sie nicht arbeiten. Die Frau kann bei der Krankenkasse Mutterschaftsgeld beantragen. Dazu braucht sie eine ärztliche Bescheinigung über den Geburtstermin. Diese stellt der Frauenarzt aber erst frühestens 7 Wochen vor Geburtstermin aus.
Das Mutterschaftsgeld setzt sich unterschiedlich zusammen:
Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Krankenkasse 13€ pro Tag.  Der Arbeitsgeber richtet sich nach dem Durchschnitts-Netto-Verdienst der letzten drei Monate und zahlt so viel zu dem Geld der Krankenkasse dazu, bis der Durchschnitt erreicht ist.
Bei privat Versicherten zahlt die Krankenkasse einmalig 210€ Der Arbeitgeber berechnet seinen Anteil wie bei gesetzlich Versicherten.
Bei Selbstständigen zahlt die Krankenkasse nur, wenn man krankenversichert ist und einen Anspruch auf Krankengeld hat. Die Höhe des Muttschaftsgeldes ist dann die Höhe des Krankengeldes.
Hausfrauen, die über den Mann versichert sind, sowie Schüler, die kein eigenes Einkommen haben erhalten kein Mutterschaftsgeld.

 

Kindergeld

Kindergeld beantragt man bei der Familienkasse in der zuständigen Agentur für Arbeit. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet muss den Antrag beim Dienstherren bzw. der Vergütungsstelle stellen. Dem Antrag muss eine Geburtsurkunde beiliegen. Diese kann zwar auch nachgereicht werden, aber da der Antrag erst mit der Geburtsurkunde bearbeitet wird, ist es sinnvoll den Antrag gemeinsam mit der Urkunde zu stellen. Das Kindergeld kann bis zu 4 Jahre rückwirkend beantragt werden. Es wird in Höhe von 188€ jeden Monat gezahlt. Für das dritte Kind gibt es 194€ und ab dem 4. Kind gibt es 219€. Anspruch auf Kindergeld besteht ab dem Monat der Geburt. Kommt das Baby am letzten Tag eines Monats zur Welt, so besteht für diesen Monat trotzdem der volle Anspruch.
Für Minderjährige Kinder gibt es keine weiteres Vorraussetzungen. Anspruch auf Kindergeld haben die Eltern, daneben aber auch Pflegeeltern, Adoptiveltern oder Großeltern. Vorraussetzung ist grundsätzlich, dass das Kind, für welches Kindergeld beantragt wird, im gleichen Haushalt lebt.
Wenn sich ein volljähriges Kind in der Ausbildung oder im Studium befindet so hat man weiter Anspruch auf Kindergeld. Der Anspruch endet spätestens zum 25. Geburstag des Kindes. Man muss dem Antrag dann eine Schul-, Ausbildungs- bzw. Immatrikulationsbescheinigung beilegen. Auch für volljährige Kinder ohne Arbeit gibt es eine Mitteilung, die dem Kindergeldantrag beigelegt werden muss. Hat das volljährige Kind eine Behinderung, so muss ein Behindertenausweis beigelegt werden.

 

Kinderzuschlag

Für unverheiratete Kinder unter 25 besteht ein Anspruch auf Kinderzuschlag, wenn Kindergeld bezogen wird, durch die Zahlung von Kinderzuschlag kein Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld 2 besteht und das Einkommen einen Mindestbetrag erreicht und einen Höchstbetrag nicht überschreitet. Für Ehepaare liegt die Mindesteinkommensgrenze bei 900€ und bei Alleinerziehenden bei 600€. Die Höchsteinkommensgrenze setzt sich aus verschiedenen Punkten zusammen. Der Kinderzuschlag richtet sich nach dem Einkommen und Vermögen der Eltern und beträgt höchstens 140€ pro Monat. der Kinderzuschlag wird zusammen mit dem Kindergeld überwiesen. Der Antrag wird ebenfalls bei der zuständigen Familienkasse gestellt (auch im öffentlichen Dienst).
Zusätzlich können Bezieher von Kinderzuschlag auch noch Leistungen für Bildung beantragen. Hierzu zählen beispielsweise Gelder für Kindergarten- bzw. Schulausflüge, Gelder für Schulbedarf oder Gelder für die Mittagsverpflegung in der Kindertagesstätte oder Schule. Diese Anträge stellt man bei der zuständigen kommunalen Stelle.

 

Elterngeld

Das Elterngeld wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich beantragt. Es gibt für jedes Bundesland einen eigenen Antrag, den man sich im Internet heraussuchen kann. Dem Antrag muss eine Geburtsurkunde beigelegt werden. Das Elterngeld wird nur 3 Monate rückwirkend gezahlt und sollte daher zeitnah, nach der Geburt abgegeben werden. Das Elterngeld kann für 14 Monate beantragt werden. Dabei übernimmt ein Partner 12 Monate und der andere 2. Es ist nicht möglich, dass ein Partner alle 14 Monate beansprucht. Lediglich Alleinerziehende können die vollen 14 Monate Elterngeld beantragen. Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem durchschnittlichen Nettogehalt der letzten 12 Kalendermonate vor der Geburt. Wenn man Mutterschaftsgeld bekommt, so zählen die letzten 12 Kalendermonate vor dem Bezug des Mutterschaftsgeldes.
Von diesem Durchschnittswert erhält man 67%, höchstens jedoch 1800€. 
Bei einem Nettoeinkommen von unter 1000€ wird das Elterngeld anders berechnet. Für je zwei Euro Differenz werden die 67% um 0,1% erhöht. Ein Maximum ist bei 100% erreicht. Man bekommt daher einen Mindestsatz von 300€.
Elterngeld wird auch dann  gezahlt, wenn die Erwerbstätigkeit nicht unterbrochen, sondern nur eingeschränkt wird. Die Höhe des Elterngeldes errechnet sich dann aus dem tatsächlichen Einkommensausfall.
Zusätzlich zum Elterngeld gibt es einen Geschwisterbonus von 10%, mindestens jedoch 75€. Dies gilt allerdings nur, wenn das Geschwisterkind unter 3 Jahren ist oder mehr als ein Geschwisterkind unter 6 Jahren im gleichen Haushalt lebt. Der Anspruch entfällt mit Ablauf des Monats, indem die Geschwisterkinder das entsprechende Alter erreichen. Ist also beispielsweise das zweite Kind im Juni geboren und das erste Kind wird im Dezember 3, so hat man für die Monate Juni bis einschließlich Dezember einen Anspruch auf den Geschwisterbonus.

 

Elterngeld Plus

Seit 2015 gibt es das neue Elterngeld Plus. Das bedeutet, dass man das Elterngeld nun verlängern kann. Statt 12 Monate, erhält man es nun 24 Monate. Aber es gibt dann jeden Monat nur halb so viel Geld. An der Summe des Elterngeldes hat sich nichts verändert. Das Elterngeld Plus ist für Mamas und Papas, welche wieder Teilzeit arbeiten möchten. Man kann Elterngeld und Elterngeld Plus auch kombinieren. Wer die ersten Monate gern komplett zuhause sein möchte, bekommt in dieser Zeit den vollen Satz. Sobald man dann wieder Teilzeit arbeitet wird das Geld für die restliche Zeit gesplittet und entsprechend länger als 12 Monate weiter gezahlt. Auch der Partner kann statt 2 nun 4 Monate Elterngeld Plus beantragen - auch hier wird das Geld pro Monat halbiert. Alleinerziehende können somit 28 Monate Elterngeld Plus beantragen.

Eine weitere Neuerung seit Januar 2015 ist, dass es bei Mehrlingsgeburten nur noch für 1 Kind Elterngeld gibt. Es gibt lediglich einen Mehrlingszuschlag von 300 Euro für das zweite, dritte, vierte... Kind.

 

Landeserziehungsgeld

Wer nach der Zeit des Elterngeldes sein Kind weiter zuhause betreuen möchte, für den ist das Landeserziehungsgeld interessant. Es wird im Anschluss an das Elterngeld gezahlt. Allerdings gibt es das Landeserziehungsgeld nur in wenigen (3) Bundesländern:

Bayern:
Voraussetzung für den Bezug von Landeserziehungsgeld ist der Nachweis der U6 (wenn man erst später Landeserziehungsgeld beantragt, Nachweis der U7). Landeserziehungsgeld kann ab dem 9. Lebensmonat beantragt werden. Außerdem wird Landeserziehungsgeld maximal 3 Monate rückwirkend gezahlt. Also sollte auch hier der Antrag rechtzeitig gestellt werden. Das Geld wird beim ersten Kind maximal 6 und beim zweiten Kind maximal 12 Monate gezahlt, höchstens jedoch bis zum vollendeten 3. Lebensjahr des Kindes. Die Höhe des Geldes beträgt für das erste Kind höchstens 150€, für das zweite Kind höchstens 200€ und für das dritte Kind höchstens 300€.

Thüringen:
Landeserziehungsgeld kann ab dem 9. Lebensmonat beantragt werden. Außerdem wird Landeserziehungsgeld maximal 3 Monate rückwirkend gezahlt. Also sollte auch hier der Antrag rechtzeitig gestellt werden. Das Geld wird volle 12 Monate gezahlt. Die Höhe des Geldes beträgt für das erste Kind 150€, für das zweite Kind 200€, für das dritte Kind 250€ und für jedes weitere Kind 300€. Wird das Kind weniger als 5 Stunden am Tag fremdbetreut (z.B. Kita oder Tagesmutter), so verringert sich das Geld um 75€. Wird es länger fremdbetreut entfällt der Anspruch auf Landeserziehungsgeld.

Sachsen:
Voraussetzung für das Landeserziehungsgeld ist, dass eine Einkommensgrenze nicht überschritten wird. Bei Alleinerziehenden liegt diese bei 14.100€ und bei Paaren bei 17.100€. Überschreitet man diese Grenze reduziert sich die Höhe des Landeserziehungsgeldes. Landeserziehungsgeld kann frühestens 3 Monate vor Beginn des Anspruchs beantragt werden. Außerdem wird Landeserziehungsgeld maximal einen Monat rückwirkend gezahlt. Also sollte auch hier der Antrag rechtzeitig gestellt werden. In Sachsen kann das Landeserziehungsgeld beginnend zum 2. oder 3. Lebensjahr beantragt werden. Zum zweiten Lebensjahr hin erhält man das Geld in folgender Höhe: Für das erste Kind gibt es 5 Monate lang 150€, für das zweite 6 Monate lang 200€ und ab dem dritten Kind 7 Monate lang 300€. Beantragt man das Geld ab dem 3. Lebensjahr so wird in folgender Höhe gezahlt: Für das erste Kind gibt es 9 Monate lang 150€, für das zweite 9 Monate lang 200€ und ab dem dritten Kind 12 Monate lang 300€.

Baden-Württemberg:
In Baden-Württemberg gibt es für Geburten ab dem 1. Oktober 2012 leider kein Landeserziehungsgeld mehr.

 

Betreuungsgeld

Betreuungsgeld wird im Anschluss an das Elterngeld gezahlt. Das Betreuungsgeld ist eine relativ neue Familienleistung. Anspruch hat man nur für Kinder, welche ab dem 01.08.2012 geboren sind. Weitere Vorraussetzung ist, dass das Kind zwischen 1 und 3 Jahren alt ist und zuhause oder in einer privaten Einrichtung betreut wird. Das Einkommen der Eltern spielt keine Rolle. Das Betreuungsgeld wird in Höhe von 100€ gezahlt. Ab dem 01.08.2014 sind es 150€. Normalerweise wird Betreuungsgeld ab dem 15. Lebensmonat gezahlt. Betreuungsgeld wird bis zum Ende des 36. Lebensmonats gezahlt - jedoch maximal 22 Monate pro Kind. Rückwirkend wird das Betreuungsgeld maximal 3 Monate gezahlt. Es wird daher empfohlen es rechtzeitig (4-6 Wochen vor Anspruchsbeginn) zu beantragen. Die Zuständigkeit für die Anträge ist in jedem Bundesland anders. Hier folgt eine kurze Übersicht:

Baden-Württemberg: Die L-Bank schickt den Antrag zum ersten Geburtstag des Kindes, wenn Elterngeld bewilligt wurde.

Bayern: Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) schickt vor Ablauf des Elterngeldes den Antrag.

Berlin: Betreuungsgeld kann nur bei der Elterngeldstelle des zuständigen Jugendamtes beantragt werden.

Brandenburg: Zuständig für die Anträge sind die verschiedenen Landkreise.

Bremen: Zuständig ist das Amt für Soziale Dienste.

Hamburg: Betreuungsgeld wird bei der Elterngeldstelle des regional zuständigen Bizirksamtes beantragt.

Hessen: Zuständig ist das Hessische Amt für Versorgung und Soziales.

Mecklenburg Vorpommern: Zuständig ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Antragsformulare gibt es an den Standorten Rostock, Schwerin, Stralsund und Neubrandenburg.

Niedersachsen: Zuständig für die Anträge sind die Betreuungsgeldstellen der verschiedenen Landkreise.

Nordrhein-Westfalen: Zuständig sind die Kreise und kreisfreien Städte Nordrhein-Westfalens.

Rheinland-Pfalz: Zuständig sind die Betreuungsgeldstellen der Kreis- und Stadtverwaltungen.

Saarland: Hier ist das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie zuständig.

Sachsen: Zuständig für den schriftlich einzureichenden Antrag sind die Betreuungsgeldstellen der Landkreise und kreisfreien Städte Sachsens.

Sachsen-Anhalt: Zuständig sind die verschiedenen Landkreise.

Schleswig-Holstein: Das Landesamt für soziale Dienste ist hier für die Bearbeitung der Anträge zuständig.

Thüringen: Zuständig sind die Elterngeldstellen der verschiedenen Landkreise und kreisfreien Städte.

 

Für die meisten Bundesländer kann man die Anträge einfach herunterladen. Unter folgendem Link findet ihr alle Anträge

 

Kinderbetreuungskosten

Für junge Eltern in Erstausbildung oder Eltern mit geringem Einkommen gibt es die Möglichkeit im zuständigen Jugendamt einen Antrag auf Kinderbetreuungskosten zu stellen. Je nach Fall werden dann die Kosten für eine Tagesmutter und Kindertagesstätte teilweise oder ganz übernommen.

 

Schulgeld

Das Schulgeld wird vom Staat gezahlt. Es gibt 100€ monatlich bis Ende der Schulzeit. Voraussetzung ist lediglich ein schulpflichtiges Kind. Gegebenenfalls muss eine Schulbescheinigung an die zuständige Agentur für Arbeit geschickt werden. In der Regel bekommt man einen Bescheid nachhause, sobald der Staat registriert, dass das Kind zur Schule geht. Man kann das Schulgeld also nicht selbstständig beantragen. Sollte man kein Schulgeld erhalten, so kann man bei der Agentur für Arbeit nach den Gründen hierfür fragen. 

 

 

Stand Oktober 2015